Reportret

Galerie rekonstruierter Porträts


Erstellt: 2004
Veröffentlicht: 2004


Das rekonstruierte Porträt Muhammads

Muhammad

Wichtig: Moslems, die sich von der Idee des Abbildens ihres Propheten möglicherweise beleidigt fühlen, werden freundlich gebeten, das Bild zu ignorieren und die Aussage weiterhin zu lesen.

Als Geschäftsmann und neuer Ehemann einer reichen Witwe wurde Muhammad (*570–†632 uz, sein völliger Name war ›Abu al-Qasim Muhammad ibn Abd Allah ibn Abd al-Muttalib ibn Hashim‹) von der Bevölkerung seines Wohnsitzes Mekka — einer kleinen Stadt in einer von arabischen Nomaden bewohnten Wüste — hoch geschätzt. Er veranstaltete Handelskarawanen und war als ›al-Amin‹ (= ›Der Vertrauenswürdige‹) bekannt. Sein Leben änderte dramatisch, als er, im Alter von vierzig Jahren, eine übernatürliche Stimme hörte, die ihm sagte, dass er künftig der Bote Gottes sein sollte. Muhammad nahm diese Aufgabe ernst und verkündete neue religiöse Regeln, die er — nach eigener Angabe — von Gott empfing. Insbesondere indem er Familienbande nutzte, sammelte Muhammad schon bald eine kleine Gruppe Anhänger. Sie glaubten an völlige Übergabe (Islam) zum Willen Gottes, akzeptierten nur noch jenen einzigen Gott, und anerkannten Muhammad als der letzte Prophet Gottes. Nachdem sein Anhang anfing zu wachsen, entstanden Konflikte mit der herrschenden Klasse von Mekka. Muhammad wurde zu einem Auszug (Hijrah) zur Stadt Yathrib — seither Madinat al-Nabi (= ›Stadt des Propheten‹) oder kurzweg Medina — gezwungen, entwickelte sich dort von spirituellem Leiter zu Armeeanführer und Staatsmann, unterdrückte jeden Widerstand (gelegentlich mittels rauer Gewalt), und es gelang ihm letztendlich, Mekka zurückzuerobern. Zur Zeit seines Todes hatte Muhammad bereits die Macht über den größten Teil der arabischen Halbinsel, mittlerweile heftig kämpfend mit sowohl dem persischen als auch dem oströmischen Reich. Seine Nachfolger erweiterten das islamische Reich noch mehr, bis es sich erstreckte von Spanien, durch Nordafrika, Südwest- und Zentralasien, bis zu Indien. Es sollte die Grundlage einer der wichtigsten Weltreligionen sein. Die Verkündigung (Quran) Muhammads und sein Tun und Lassen (Sunnah) bestimmen immer noch das Alltagsleben von Millionen Moslems. Palm und Hourani beleuchten die Rolle Muhammads und seinen Einfluss auf die Geschichte der Araber nach ihm.

Wie sollten wir uns das Aussehen Muhammads vorstellen? Die Quran erzählt nicht viel über Muhammad selbst, jedoch enthalten viele Ahadith (= ›Überlieferungen‹; Plural von Hadith) Details aus seinem Leben. Die Hadith-Sammlungen von al-Bukhari und al-Muslim des neunten Jahrhunderts uz sind die Maßgebendsten. In denen erscheint Muhammad als ein Mann durchschnittlicher Größe, mit breiten Schultern und halblangem Haar. Er hatte ein einigermaßen quadratisches Gesicht mit großen, rötlichen Augen. Er trug einen vollen, schwarzen Bart, in dem nur wenige graue Haare vorzufinden waren, ohne Schnurrbart. Die einfachste Kleidung setzte sich damals aus einem Tuch um die Taille (Izar), einem Tuch, das um den Oberkörper gewickelt wurde (Rida), und Sandalen zusammen. Aber die Kombination weiter Hosen (Sirwal) und eines Hemdes mit Ärmeln (Qamis) war ebenfalls möglich. Muhammad trug dazu oft einen roten Mantel mit strammen, langen Ärmeln (Jubbah), einen schwarzen Turban (Imamah), dessen Ende los hing, und Stiefel aus Leder (Khuff). Ein Mantel oder Tuch reichte nie tiefer als bis mitten auf den Unterschenkeln. Am kleinen Finger seiner rechten Hand trug Muhammad einen silbernen Siegelring, mit dem Stein zur Handfläche gedreht. Zum Schluss hatte er auf seinem Rücken, zwischen seinen Schultern, ein Muttermal »so groß wie ein Taubenei«.

Welcher Stil war allgemein geläufig zur Zeit Muhammads? Nun, Muhammad verbot selbst alle Bilder von Menschen oder Tieren: »Diejenigen, die diese Bilder herstellen, werden am Tag der Auferstehung bestraft werden, und ihnen wird gesagt werden: ›Macht lebendig, was ihr herstellt habt!‹« (Hadith, von Abd Allah ibn Umar erzählt; al-Bukhari, Teil 7, Buch 72, Nr. 835). Trotz dieser klaren Verwarnung wurden die Wände und Decken des Badehauses Qusayr Amrah im heutigen Jordanien um 715 uz mit Bildern von Menschen und Tieren verziert. Die Fresken sind mittlerweile schwer beschädigt, aber der Stil kann immer noch erkannt werden. Die Bilder setzen sich aus groben Zeichnungen zusammen, mit runden Linien und subtilen Schattierungen zwischen Hell und Dunkel, um Volumen zu suggerieren. Die Hauptfarben sind Beige, Rot, Blau, und Schwarz. Tiefenwirkung wird gelegentlich erreicht mittels Schatten und unbeholfener Perspektive im Dekor. Die Darstellungen scheinen naive Nachahmungen realistischerer (vielleicht oströmischer) Beispiele zu sein. Die abgebildeten menschlichen Körper scheinen schwer und sind viel weniger zierlich als einige der Tierdarstellungen. Die Tatsache, dass Muhammad (oder Gott) diese Bilder missbilligt haben würde, war für den Auftraggeber und die Maler dieser Fresken anscheinend keine Behinderung. Vielleicht hatte die unreligiöse Funktion des Gebäudes etwas damit zu tun. Dennoch ist Qusayr Amrah eine Ausnahme geblieben. Aus den ersten Jahrhunderten des Islams sind keine anderen Beispiele solcher Bilder bekannt. Ein zeitgenössisches Porträt Muhammads hätte deswegen nur von einem nicht-Moslem hergestellt werden können.

Die folgenden Details sind ins rekonstruierte Porträt aufgenommen worden. Muhammad ist in einem Jubbah gekleidet, mit einem Imamah, Khuff, und mit anderen äußeren Kennzeichen, die in den Ahadith von al-Bukhari und al-Muslim erwähnt werden, dargestellt worden. Um zu verstehen, wie die Kleidung ungefähr ausgesehen hat, sind ebenfalls die Buchmalereien von al-Wasiti des dreizehnten Jahrhunderts uz zur Rate gezogen. Es sind einige der frühesten bekannten Bilder arabischer Kleidung und sie entsprechen in groben Zügen den Beschreibungen der Ahadith (obwohl die Ärmel weiter und die Mäntel etwas länger sind). Das Kamel oder Dromedar im Hintergrund ist eine Kopie eines Bildes aus Qusayr Amrah. Es ist symbolisch für das ursprüngliche Beruf Muhammads — Transportunternehmer.


Haben Sie einen Vorschlag oder eine Bemerkung anlässlich dieser Rekonstruktion? Jeder Kommentar ist sehr erwünscht. Einige Moslems haben in Juli 2004 ihre aufrichtigen, religiösen Bedenken zur Idee des Abbildens ihres Propheten erläutert. Nach einer konstruktiven Diskussion mit ihnen habe ich die folgende Aussage aufgesetzt:

Aussage: Das Porträt Muhammads wurde nicht hergestellt, um jemanden zu beleidigen oder zu beschädigen. Das Ziel ist weder Anbetung, noch Beleidigung. Diejenigen, die es für verboten oder unangebracht halten, Muhammad abzubilden, können ihrem Glauben treu bleiben, indem sie das Bild ganz missachten. Das Bild wird niemandem aufgedrängt und es gibt keine Verpflichtung, es als ein authentisches Porträt anzuerkennen. Andere brauchen die vorerwähnte Überzeugung nicht zu teilen und brauchen das Bild nicht abzulehnen. Die Gelegenheit, das Bild zu untersuchen und zu schätzen, dürfte ihnen nicht verweigert werden. Zum Schluss muss betont werden, dass das Bild, zwar auf geschichtlichen Quellen beruhend, aus menschlicher Fantasie hervorgegangen ist.


Quellen


Alternativen für ›Muhammad‹: Mahoma / Moehammad / Mohammed / Mohamet / Mohammad.

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