Reportret

Galerie rekonstruierter Porträts


Erstellt: 2003
Veröffentlicht: 2003
Geändert: 2012


Das rekonstruierte Porträt von Motecuhzoma Xocoyotzin

Motecuhzoma Xocoyotzin

In 1502 uz wurde Motecuhzoma Xocoyotzin (*1467–†1520 uz, auch als ›Montezuma II‹ bekannt) von den aztekischen Reichsrat zu ›großem Gebieter‹ von Tenochtitlan gewählt und er erhielt dementsprechend den Ehrentitel ›Herr der Colhua‹. Als die spanischen Eroberer in die Küstengewässer Mexikos erschienen, war er der wichtigste Herrscher des Aztekenreiches, das mehrere mexikanische Völker umfasste. Anders als die wörtliche Bedeutung seines Namens — ›er, der sich durch seine Wut Herrscher macht, der geehrte junge‹ — vermuten lässt, war Motecuhzoma Xocoyotzin kein tatkräftiger Leiter. Er versuchte, spanische Vorherrschaft zu verhindern, indem er die Eroberer gastfrei aufnahm. Diese Verfahrensweise klappte nicht. Er erlaubte, dass die Spanier ihm zur Geisel nahmen, ließ sich demütigen, und verlor demzufolge die Stütze seiner Untertanen. Kurz nach seinem Tod (wer für den Mord verantwortlich ist, bleibt unklar) wurde Tenochtitlan völlig zerstört und fand das Aztekenreich ein Ende. Diese tragische Geschichte wird anhand aztekischer Quellen erläutert von Van Zantwijk.

Wie sollten wir uns das Aussehen von Motecuhzoma Xocoyotzin vorstellen? Bernal Díaz del Castillo war einer der spanischen Eroberer und er hat Motecuhzoma Xocoyotzin persönlich kennen gelernt. Er hat eine (übrigens wenig besagende) Beschreibung eines mittelgroßen, schlanken Mann, mit halblangem Haar und einem dünnen Bart hinterlassen. Ein bekanntes Ölgemälde von Antonio Rodríguez gibt ein unzuverlässiges Bild von Motecuhzoma Xocoyotzin. Das Porträt wurde fast zwei Jahrhunderte nach seinem Tod gemalt und die Kleidung ist auf eine europäische Weise interpretiert worden. Die Illustrationen im sogenannten Codex von Florenz und Codex Mendoza sind von Azteken (oder besser gesagt ›einheimischen Mexikanern‹) hergestellt worden. Obwohl sie verhältnismäßig bald nach der spanischen Eroberung hergestellt wurden, ist deutlich sichtbar, dass auch diese Bilder schon stark von der europäischen Bildkultur beeinflusst worden sind. Dennoch sind alle diese Quellen eindeutig hinsichtlich des (vermutlichen) Aussehens von Motecuhzoma Xocoyotzin: er trug eine um den Kopf gebundene ›Krone‹, die von vorne mit einer Spitze nach oben vorsehen worden war, einen Mantel, der auf der Schulter festgeknüpft wurde und bis über die Knie reichte, ein Lendentuch, Sandalen, und Schmuckstücke an den Armen und Beinen. Auf einigen der Illustrationen wird er mit einem kurzen Bart vorgestellt.

Welcher Stil war allgemein geläufig zur Zeit von Motecuhzoma Xocoyotzin? Viel der vorspanischen Aztekenkultur ist vernichtet. Deswegen müssen wir uns auf die mixtekischen Handschriften aus Südmexiko richten. Diese sind nicht ganz unbedingt repräsentativ für die aztekische Bildkultur. Jedoch ist es schon glaubhaft, dass die Stilkennzeichen der mixtekischen Handschriften im vorspanischen Mexiko weit verbreitet waren. Die Mixteken wurden im fünfzehnten Jahrhundert uz ins Aztekenreich aufgenommen und viel der mixtekischen Bildkonventionen können immer noch in den mexikanischen Codices des frühen spanischen Zeitalters erkannt werden — zwar in einer europäischeren Form (wie im Codex Mendoza). Weit im sechzehnten Jahrhundert uz ist sogar, in einem einzelnen Fall (der Codex Selden), auf den reinen mixtekischen Stil zurückgegriffen worden. Der mixtekische Stil besteht aus stilisierten und standardisierten Bildern. Es sind feste Zeichnungen mit schwarzen Linien und uni Farbflächen in einer beschränkten Zahl von Farben: hauptsächlich Ockerschattierungen, mit Dunkelrot, Mintgrün und Grau ergänzt. Die Menschfiguren werden in Seitenansicht wiedergegeben und die Gesichter kennen keine individuellen Züge. Die Verhältnisse des menschlichen Körpers sind alles andere als realistisch und insbesondere der Kopf ist zu groß. Perspektive und Tiefe fehlen ganz und gar.

Die folgenden Details sind ins rekonstruierte Porträt aufgenommen worden. Die spitze Krone, der geknüpfte Mantel, das Lendentuch, und die Sandalen kommen auf den Bildern von Motecuhzoma Xocoyotzin im Codex von Florenz und Codex Mendoza vor. Die Verzierungen an den Armen und Beinen und der Ohrschmuck sehen wir auf dem Gemälde von Antonio Rodríguez, aber sie sind auch üblich in den mixtekischen Handschriften. Der ins Haar gebundene Kopfschmuck aus Federn ist eine Einzelheit, die so kennzeichnend für den mixtekischen Stil ist, dass es fremd wäre, den auszulassen — selbst wenn wir ihn nicht aus Quellen zu Motecuhzoma Xocoyotzin kennen. Das Gesicht ist standarisiert und unpersönlich, vereinbar mit dem mixtekischen Stil. Die einzige persönliche Note ist der Bart, der von Bernal Díaz del Castillo erwähnt wird und sowohl im Codex von Florenz als auch im Codex Mendoza sichtbar ist. Die offizielle Funktion von Motecuhzoma Xocoyotzin — ›große Gebieter‹, huey tlatoani in Nahuatl — kommt in zwei Einzelheiten zum Ausdruck. Die Redewolke beim Mund, oder ›Sprechschnörkel‹, wie ein Fragezeichen ohne Punkt, deutet menschliche Sprache an. Dies ist zugleich ein Symbol für Macht, wie tlatoani wörtlich ›er, der spricht‹ bedeutet. Zusätzlich drückt die Hand, die hinunter zeigt, ein Befehl oder eine Bitte aus, oder das Vermögen Befehle zu geben — also Macht. Beide Einzelheiten sind Bildkonventionen der mixtekischen Handschriften. Zum Schluss ist die Riedmatte, auf der Motecuhzoma Xocoyotzin steht, in der Rekonstruktion lediglich dekorativ.


Haben Sie einen Vorschlag oder eine Bemerkung anlässlich dieser Rekonstruktion? Jeder Kommentar ist sehr erwünscht.


Quellen

  • Rudolf van Zantwijk, De oorlog tegen de goden. Azteekse kronieken over de Spaanse verovering (Amsterdam 1992 uz). Dieses Quellenbuch besteht aus Berichten und Überlieferungen, die direkt aus dem Nahuatl ins Niederländische übersetzt wurden, mit Erläuterungen.
  • Bernal Díaz del Castillo, Historia Verdadera de la Conquista de la Nueva España, Übers. Margriet Muris und Marga Greuter (Amsterdam 1999 uz).
  • Antonio Rodríguez, Porträt von Motecuhzoma Xocoyotzin, Italia: Firenze: Palazzo Pitti: Museo degli Argenti, 1890/5158 (México 1680–1691 uz). Obwohl der Künstler gut über die aztekische Mode informiert scheint zu sein, sind die Kleidung und die Verzierungen auf eine europäische Weise wiedergegeben worden.
  • Codex von Florenz, Italia: Firenze: Biblioteca Medicea Laurenziana, Ms. Med. Pal. 220 (México um 1577 uz). Diese Handschrift wurde in Nahuatl von einem oder mehreren einheimischen Mexikanern (vermutlich aus Tlatelolco) geschrieben, mit vielen Illustrationen vorsehen, im Auftrag des spanischen Franziskaner-Mönchs Bernardino de Sahagún. Bernardino de Sahagún verwendete den Text für eine spanische Bearbeitung — sein Buch Historia de las Cosas de la Nueva España.
  • Codex Mendoza, Great Britain: Oxford: Bodleian Library, Ms. Arch. Selden A1 [Cat. 3134] (México 1535–1550 uz). Diese Handschrift wurde im Auftrag des ersten spanischen Vizekönigs von Neu-Spanien, Don Antonio de Mendoza, als Geschenk an König Karl V von Spanien hergestellt. Die Bilder sind von einem einheimischen Mexikaner hergestellt worden. Vielleicht hat ein spanischer Geistlicher die spanischen Texte zu den Bildern hinzugefügt. Die Handschrift ist von unschätzbarem Wert für die Kenntnis der Aztekenkultur.
  • Beispiele mixtekischer Handschriften: Die mixtekische Handschriften bestehen aus langen zickzack gefalteten Streifen aus Hirschleder oder Rindenpapier. Die Bilder sind auf einen dünnen Untergrund aus weißem Mörtel gemalt worden. Übrigens ist es erläuternd für die Plünderung der mexikanischen Erbschaft, dass alle erwähnten Codices sich in Europa befinden.

Alternativen für ›Motecuhzoma Xocoyotzin‹: Montezuma / Moctezuma / Motecuzoma / Motecuhzoma — II / XocoyotzinMotecuzomatzin / Motecuhzomatzin — II / Xocoyotl.

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