Reportret

Galerie rekonstruierter Porträts


Erstellt: 2005
Veröffentlicht: 2005
Geändert: 2008
Geändert: 2012


Das rekonstruierte Porträt von Christoph Kolumbus

Christoph Kolumbus

Immer auf der Suche nach persönlichem Gewinn und einer besseren gesellschaftlichen Stellung war Christoph Kolumbus (*1451–†1506 uz, als ›Cristoforo Colombo‹ geboren, von bescheidener, genuesischer Herkunft) schon zu jedem entlegenen Winkel der ihm bekannten Welt gesegelt. Er war nach Griechenland, England, den Küsten Westafrikas, und vielleicht sogar Island gereist — zuerst im Dienst genuesischer Handelshäuser, später portugiesischer Geschäftsmänner (die ihm als ›Cristóvão Colombo‹ kannten). Obwohl es allgemein bekannt war, dass man Süd- und Ostasien — die obersten Ziele der meisten europäischen Kaufleute wegen Gewürze und Seiden — erreichen konnte, indem man einfach nach Westen segelte, war er der erste, der einen angenommenen einträglichen Versuch ernsthaft vorbereitete. Sich auf einigen absichtlichen Rechenfehlern verlassend, gelang es ihm, den König und die Königin von Aragón und Kastilien (das heißt Spanien, wo man ihm als ›Cristóbal Colón‹ kannte) davon zu überzeugen, seine Unternehmung zu unterstützen. Christoph Kolumbus machte einen Handel, der zu einem wahren Unternehmer passt. Er würde dem königlichen Paar einen Abkürzungsweg nach Asien in westlicher Richtung plus den Besitz aller dort vorzufindenden unbekannten Gebiete liefern. Als Gegenleistung verlangte er einen adligen Titel und finanzielle Sicherheit fürs Leben — einen Prozentsatz aller Ausbeuten, die aus seinen Entdeckungen hervorgehen würden. In 1492 uz hissten Christoph Kolumbus und seine Bemannung die Segel auf drei Kraweelen und trotzten sie dem scheinbar endlosen Atlantik auf der Suche nach Japan und China, mit wenig sonst als Kompass, Quadrant (oder ähnlichen Instrumenten), und Intuition zum Navigieren. Zufälligerweise stießen sie auf die karibischen Inseln und einen ganz ›neuen‹ Kontinent, der erst viel später als ›Amerika‹ (von Amerigo Vespucci, einem anderen italienischen Seefahrer) bekannt werden würde. Ohne Ahnung von seinem tatsächlichen Platz auf die Erdkugel nannte Christoph Kolumbus die Einwohner ›Indianer‹ — eine Bezeichnung, die noch viele Jahrhunderte hindurch gängig bleiben würde. Er kehrte zurück nach Europa mit Beispielen tropischer Früchte, einigen entführten Ortsansässigen, und einer wunderlichen, gefeierten Geschichte in seinem Schiffsjournal. Wie versprochen wurde er in den Adelsstand erhoben und erwarb er ein festes Einkommen. Er ging noch viele Male nach Amerika zurück, aber sein Glück war nicht dauerhaft. In Widerspruch zu seinem vorgegebenen Ziel, das Christentum zu bringen, machte Christoph Kolumbus auf grausame Weise viele einheimische Amerikaner zum Sklaven und beutete er sie auf einer verzweifelten Suche nach Gold aus. Konflikte mit spanischen Einwanderern und der neuen Ortsverwaltung beendeten seinen Ruhm und sein Glück. Christoph Kolumbus starb als ein enttäuschter Mann: in Ungnade gefallen, ohne die erwarteten Schätze gefunden zu haben, und ohne je Asien erreicht zu haben.

Wie sollten wir uns das Aussehen von Christoph Kolumbus vorstellen? Wie Lester klarmacht, ist keines der vielen existierenden Porträts auch nur einigermaßen wahrheitsgetreu. Wir müssen uns deswegen an andere Quellen wenden. Fernando Colón, der zweite Sohn von Christoph Kolumbus, der ihm auf vielen Reisen begleitete, beschreibt ihm als ein großer Mann von normaler Statur (nicht dünn oder dick), mit einem langen Gesicht, hohen Jochbeinen, einer Adlernase, leichten Augen, weißem Haar, und einer rötlichen Haut. Andere Zeugnisse unterschreiben diese Beschreibung mehr oder weniger. In Bezug auf die Garderobe von Christoph Kolumbus ist nichts bekannt, außer der Tatsache, dass er sich während des letzten Teils seines Lebens wie ein Mönch kleidete. Davor trug er wahrscheinlich Kleider, die für wohlhabende Kaufleute und Adlige entlang dem nördlichen Mittelmeer gebräuchlich waren. Diese Kleidung kann auf vielen norditalienischen Fresken der frühen Renaissance studiert werden: ein weicher Hut oder Mütze (ohne Rand oder mit dem Rand umgeschlagen), ein Wams (Farsetto genannt, eine wattierte Unterjacke mit gepufften Ärmeln bei den Schultern) mit einem Hemd und einer Unterhose darunter, ein gefalteter Überzieher (nämlich ein Cioppa mit Ärmeln, oder ein Giornea ohne Ärmel und offen zur Seite), ein Gürtel, stramme Strümpfe (Calzebraghe), die am Wams gebunden wurden, und weiche Schuhe. Oftmals hatte jeder Strumpf eine eigene Farbe. Ältere Männer trugen längere Überzieher, wohingegen jüngere Männer manchmal sehr kürze bevorzugen. Zusätzlich konnte man einen Mantel über dies alles hindrapieren. Die Männer ließen ihr Haar von vorne meistens kurz und von hinten länger, die Ohren bedeckend, schneiden. Bärte oder Schnurrbärte waren nicht in der Mode.

Welcher Stil war allgemein geläufig zur Zeit von Christoph Kolumbus? Die Kunst befand sich in einem Änderungsprozess in der Zeit von Christoph Kolumbus — einem Zeitalter, das jetzt ›frühe Renaissance‹ genannt wird. Künstler schauten zunehmend die Natur an, um ihre Entwürfe herzustellen, statt die alten Beispielbücher zu Rate zu ziehen. Sie fingen an, Falten in Kleidung, die menschliche Haltung, und die Perspektive zu studieren. Porträts waren sehr beliebt (tatsächlich ein Aufleben nach vielen Jahrhunderten fast völliger Abwesenheit) und die Gesichtszüge wurden mit großer Fähigkeit und in allen Einzelheiten wiedergegeben. Papier wurde verfügbar fürs Herstellen von Zeichnungen und, weil es viel billiger war als Pergament, wurde Skizzieren ein normaler Gebrauch. Und, zum Schluss, wurde die altehrwürdige Angst vor leerem Raum in einem Entwurf (horror vacui) allmählich verlassen. Die spezifischen Stilkennzeichen der Kunstwerke wurden hauptsächlich abhängig vom Talent des betreffenden Künstlers und den Materialien, die angewendet wurden — Marmor, Bronze, Ölfarbe auf Leinwand, Tempera auf Holz, Wasserfarbe auf Mörtel, Tinte auf Papier. Alles war möglich: alle Arten von Realismus, alle Arten von Farbanwendung.

Es gab noch eine weitere Entwicklung. Das Druckerhandwerk fing gerade an zu blühen, also gerieten Holzschnitte allmählich weit verbreitet. Die Qualität dieser frühen gedruckten Illustrationen war allerdings nichts im Vergleich zu den handgemachten Bildern und war eigentlich nicht sehr geeignet fürs Herstellen von Porträts. Aber, weil die Entdeckungen von Christoph Kolumbus gerade durch die Presse das große Publikum erreichten, scheint es passend, dass sein Porträt aus einer mit Wasserfarbe manuell kolorierten, gedruckten Holzschnitt auf Papier bestanden hätte. Holzschnitte in diesem Zeitraum waren grob geschnittene Bilder aus schwarzen Linien auf einem hellen Hintergrund, mit einfachen Schraffuren. Als Sonderausgabe wurden sie manchmal mit der Hand koloriert. Indem dies in Serie passierte, wurden die Farben schnell, mit einer beschränkten Farbpalette, und fast nie mit einer ruhigen Hand aufgebracht.

Die folgenden Details sind ins rekonstruierte Porträt aufgenommen worden. Christoph Kolumbus posiert mit einem Quadrant, den er mehrere Malen stolz in seinem Schiffsjournal erwähnt (obwohl er ihn nicht sehr gut bedienen konnte). Seine Kleidung ist der Kleidung, die auf den Fresken der frühen Renaissance zu sehen ist, ähnlich. Sein Gesicht, sein Haar, und sein Körperbau wurden in Übereinstimmung mit der Beschreibung, die Fernando Colón gibt, gezeichnet. Der Hintergrund ist leer gelassen, wie schon gebräuchlich war für einfache Holzschnitte.


Haben Sie einen Vorschlag oder eine Bemerkung anlässlich dieser Rekonstruktion? Jeder Kommentar ist sehr erwünscht.


Quellen

  • Schiffsjournal der 1. Reise von Christoph Kolumbus nach Amerika (1492–1493 uz), Zusammenfassung von Bartolomé de las Casas, España: Madrid: Biblioteca Nacional de España, Ms. 10255 fol. 1r–123v (1513–1527 uz). Die Originalhandschrift des Schiffsjournals und eine bekannte Kopie sind während des frühen 16. Jahrhundert uz verloren gegangen. Der Text ist nur als diese Zusammenfassung von Bartolomé de las Casas, dessen Vater mit Christoph Kolumbus gereist hat, erhalten geblieben. De las Casas stellte die Zusammenfassung (die spannendsten Teile wörtlich zitierend) für eigene Benutzung her, zur Vorbereitung seines späteren Buches Historia de las Indias.
  • Paul Martin Lester, ›Looks Are Deceiving. The Portraits of Christopher Columbus‹, Visual Anthropology 5 (1993 uz) S. 211–227. Lester analysiert einige der Bilder, die zu vielen Missverständnisse in Bezug auf das Aussehen von ›Der Admiral‹ beigetragen haben.
  • Fernando Colón, Historie del S. D. Fernando Colombo. Nelle quali s'ha particolare, & vera relatione della vita, & de'fatti dell'Ammiraglio D. Christoforo Colombo, suo padre (Venezia 1571 uz). Die Originalhandschrift, die auf Spanisch vor 1539 uz geschrieben wurde, ist mittlerweile verloren gegangen. Diese italienische Übersetzung im Druck ist die älteste der erhalten gebliebenen Ausgaben. Fernando Colón erzählt uns wörtlich (in Kapitel 3): »L'Ammiraglio fu uomo di ben formata e più che mediocre statura, di volto lungo e di guance un poco alte, senza che declinasse a grasso o macilento. Aveva il naso aquilino, e gli occhi bianchi, ed era bianco e acceso di vivo colore. Nella sua gioventù ebbe i capelli biondi, benché giunto che fu ai trent'anni, tutti gli divennero bianchi.«
  • Einige Beispiele von Fresken der frühen Renaissance mit Darstellungen zeitgenössischer modischer Kleidung:
    • Benozzo Gozzoli, Zug der drei Könige, Italia: Firenze: Palazzo Medici–Ricardi: Cappella dei Magi (1459–1460 uz).
    • Andrea Mantegna, Fresken, die Ludovico Gonzaga mit Familie und Höflingen vorstellen, Italia: Mantova: Palazzo Ducale: Castello di San Giorgio: Camera degli Sposi (1465–1474 uz).
    • Pietro ›Perugino‹ Vannucci, Christus übergibt Petrus die SchlüsselConturbatio Iesu Christi Legislatoris«), Italia: Roma: Musei Vaticani: Cappella Sistina (1481–1482 uz).

Alternativen für ›Christoph Kolumbus‹: Christopher Columbus / Christoffel Columbus / Christophe Colomb / Christophorus Columbus / Cristóvão Colombo / Cristóbal Colón / Cristoforo Colombo

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